100 Jahre Luftfahrtgeschichte

100 Jahre Luftfahrt­­­geschichte

Wer sich mit der Geschichte der Luftfahrt am Bodensee beschäftigt, stösst eher früher als später auf den Namen Claude Honoré Désiré Dornier. Auch in Altenrhein hat der in Kempten geborene deutsch-französische Flugzeugkonstrukteur seine Spuren hinterlassen. So sehr, dass er heute als Vater des Flugplatzes bezeichnet werden darf. 100 Jahre später steigt im kommenden August eine grosse Geburtstagsfeier.

Das legendäre Wasserflugzeug von Claude Dornier wurde in Altenrhein gebaut.

Claude Dornier steht in Altenrhein am Anfang einer bewegten Geschichte voller Leidenschaft und tiefer Verbundenheit mit der Region. Er ist in den Anfängen des 20. Jahrhunderts engster Mitarbeiter von Ferdinand Graf von Zeppelin und erhält in dessen Konzern eine eigene Abteilung, aus der schnell einer der grossen Flugzeughersteller der damaligen Zeit entsteht: die Dornier-Werke. Das wohl spektakulärste Projekt des jungen Unternehmens ist die Entwicklung der legendären Do X – ein Wasserflugzeug mit Platz für 175 Menschen.

Ein echter Meilenstein für die Luftfahrtbranche. Mit einem für Dornier nicht unwesentlichen Haken: Der nach dem Ersten Weltkrieg geschlossene Friedensvertrag von Versailles verbietet, dass das spektakuläre Luftschiff in Deutschland und damit am Firmensitz in Friedrichshafen gebaut werden kann. Also schaut man sich am gegenüberliegenden Bodenseeufer um und wird auf Schweizer Seite in Altenrhein fündig. Dort errichtet er Produktionshallen und finanziert einen Flugplatz – die Geburtsstunde des heute von der People’s Air Group betriebenen Airports St. Gallen-­Altenrhein.

Man schreibt den 18. März 1926, als der erste von über 11’000 Eisenbetonpfählen mit einer Länge von sieben bis zwölf Metern eingeschlagen wird – im sumpfigen Boden und mit den damaligen Möglichkeiten eine besondere Herausforderung. Zur Planierung werden nicht weniger als 180’000 Kubikmeter Erde bewegt. Unter erschwerten Bedingungen entsteht eine 600 Meter lange Graspiste, die ersten Linienflüge starten 1927 nach Basel, Innsbruck und München.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Name Dornier in Altenrhein Geschichte. Claudio Caroni benennt das Unternehmen in Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA) um. Bald darauf wird eine 1200 Meter lange und 30 Meter breite Hartbelagpiste errichtet. Hintergrund ist ein Auftrag des Bundes für die Entwicklung eines Schweizer Kampfflugzeuges (Militärjet «P-16»). Viele Jahre sind der Bau und die Revision von Militärflugzeugen das Hauptgeschäftsfeld in Altenrhein. Erst 1988 beginnt mit der Rheintalflug Seewald GmbH die Ära der Linien­flüge nach Wien. Nach mehreren Eigentümerwechseln (Gautschi AG, Srikwerda, Dieter Bührle) ist Markus Kopf seit 2011 alleiniger Eigentümer und Betreiber des Flugplatzes sowie der gleichnamigen People’s Airline.

Eines ist bis heute gleich geblieben: Seit 1926 verbindet der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein Menschen und Regionen. Aus dem Pioniergeist der Anfangsjahre hat sich mit Leidenschaft und Engagement eine unverzichtbare Verkehrsinfrastruktur entwickelt. Der wirtschaftliche Aufschwung der Region ist untrennbar mit dem Flugplatz verbunden. Grund genug, 100 Jahre Luftfahrtgeschichte gebührend zu feiern – mit einem dreitägigen Volksfest, das vom 28. - 30. August 2026 stattfinden wird. Unter dem Motto «Gemeinsam für den Standort – gestern, heute und morgen» ist ein buntes Programm für die ganze Familie geplant. Aviatik-Highlights sind spektakuläre Flugshows, Modellflugvorführungen, Segel­flugzeuge, historische Fluggeräte, Heissluftballone und Fallschirmspringer.

Text: Michael Dünser

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2025-11-11T11:10:04+01:00
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